Verletzungen und Erkrankungen sind im Sport trotz vielfältiger und umfassender Präventionsmaßnahmen nie ganz zu vermeiden – auch und gerade im Fußball. Betroffene fallen unter Umständen für längere Zeit aus – das gilt im Freizeit- und Amateurbereich genauso wie im Profibereich. Doch wie geschehen Verletzung? Häufen sich bestimmte Arten von Verletzungen und wie können diese vermieden werden? Diesen Fragen widmet sich ein Forschungsprojekt der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) zusammen mit der Deutschen Fußballiga (DFL) und der Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG). Ziel ist es, Verletzungen und Erkrankungen durch gezieltes, dosiertes Training zu vermeiden.
Der Deutsche Profifußball etabliert erstmals eine offizielle und systematische Registrierung der Erkrankungen und Verletzungen seiner Spieler. Damit unterstützt die Deutsche Fußball-Liga zentral und unmittelbar die Präventionsbestrebungen der Vereine. Das „Bundesligaregister für ausfallrelevante Verletzungen und Erkrankungen“ ist eine Datenbank, in der alle Verletzungen und Erkrankungen von Bundesligaprofi-Fußballern der 1. und 2. Bundesliga systematisch erfasst werden, die zu einer Ausfallzeit der Profis im Training und im Spielbetrieb führen. Der Startschuss für die Datenbank erfolgte mit Beginn der Saison 2022/23 auf Initiative der DFL und der VBG. Unter der Leitung von Professor Dr. Dr. Volker Alt, Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie des UKR, und Dr. Dominik Szymski, Assistenzarzt und medizinischer Koordinator des FIFA Medical Centre am UKR, wurde die Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie für die Durchführung dieses im Profifußball einmaligen Registers ausgewählt und führt nun unter Gewährleistung aller Datenschutz- und Ethikstandards diese longitudinale (langfristige und dauerhafte) Datenerhebung im deutschen Profifußball erstmals durch. Die Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie konnte in den letzten Jahren durch zahlreiche Forschungsprojekte im Profi- wie auch Amateur-Fußball zeigen, wie wichtig die systematische und wissenschaftliche Datenerhebung im Fußball ist, sodass die Durchführung dieses neuen Forschungsprojektes diese Bestrebungen nun auch systematisch auf den gesamten Profifußball der 1. und 2. Bundesliga ausdehnt.
Verletzungen für 75% der Ausfälle von Spielern verantwortlich
Nach über zwei Jahren Datenerfassung lieferte das Register nun erste Erkenntnisse. Mannschaftsärzte und Physiotherapeuten erfassten in den Spielzeiten 2022/23 und 2023/24 mehr als 1.800 Verletzungen und Erkrankungen, die zu einem Ausfall der Spieler im Trainings- bzw. Spielbetrieb führten. Verletzungen sind dabei zu 75% für die Ausfälle verantwortlich, Erkrankungen wie z.B. Atemwegs- oder Magen-Darm-Infekte immerhin zu einem Viertel. Eine detaillierte Analyse zeigt, dass bei den Verletzungen vor allem Muskelverletzungen besonders häufig vorkommen und diese insgesamt die meisten Ausfallzeiten verursachen. Die längsten Ausfallzeiten ziehen Knieverletzungen nach sich. Somit sind gerade für Muskel- und Knieverletzungen besondere Präventionsmaßnahmen im Profifußball von sehr hoher Bedeutung. Hinsichtlich Kopfverletzungen, insbesondere Gehirnerschütterungen, zeigen die ersten Analysten, dass durch die Mannschaften und Ärzte ein ausreichender Trainingsstopp veranlasst und umgesetzt wird und die Patienten mittels eines stufenweisen Wiedereinstieges in den Spielbetrieb und Wettkämpfe zurückgeführt werden. Hierbei zeigt sich, dass die aktuellen Leitlinien vollumfänglich umgesetzt werden.
Lückenlose Dokumentation der Ausfallzeiten
In das Register werden alle Verletzungen und Erkrankungen, die einen Ausfall von mindestens einem Spiel oder Training nach sich ziehen, verschlüsselt und anonymisiert eingetragen. Erfasst werden hierbei die Art des Ausfalles (Verletzung oder Erkrankung), die Umstände und Situation, die zur Verletzung führten, sowie Diagnostik und Therapie. Zusätzlich berücksichtigt das Register auch Vorverletzungen und deren Rehabilitation. Die Mannschaftsärzte und Physiotherapeuten der Fußballteams wirken aktiv an dem Forschungsprojekt mit, unter anderem an der Gestaltung des Abfrageprotokolls. Die Vereine erhalten so einen Überblick über die Ausfallgründe der eigenen Spieler und in anonymisierter Weise die wichtigsten Informationen der gesamten Studienkohorte, sodass Rückschlüsse von der gesamten Studienpopulation und die eigene Vereinssituation gezogen werden können. Durch das longitudinale Design und die Möglichkeit der Nachverfolgung eines Spielers und dessen Ausfallzeiten soll das Register in Zukunft als wichtiges Instrument zum Monitoring und Optimierung der Spielergesundheit und zur Prävention von Verletzungen und Erkrankungen dienen.
Fußballmedizin und das UKR
Das Universitätsklinikum Regensburg ist aufgrund der fußballmedizinischen Aktivitäten in Forschung, Lehre und Sportlerbetreuung gemeinsam mit seinen regionalen Partner-Institutionen, Ärzten und Physiotherapeuten aus und um Regensburg bereits vor 15 Jahren vom Fußballweltverband FIFA zum FIFA Medical Centre of Excellence zertifiziert worden. Zusätzlich erfolgte vor 10 Jahren der Start einer erfolgreichen Kooperation mit dem Bayerischen Fußballverband (BFV), um die medizinische Versorgung im Amateur- und Juniorenfußball zu optimieren. Forschungsschwerpunkte in der Fußballmedizin liegen vor allem in der Registrierung von Fußballverletzungen und der Entwicklung von Präventionsprogrammen. Zusätzlich wird die Optimierung von Prävention und Behandlung von Kreuzbandverletzungen in verschiedenen Sportarten in Studienprojekten wie dem „Kreuzbandregister im Deutschen Sport“ untersucht.
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